• Regina Ofner

Jede Entscheidung erfordert einen Opferaltar


Ein bekanntes Sprichwort sagt: " Einen Tod musst du sterben". Dieser Spruch kommt mir oft in den Sinn, wenn es um Entscheidungen geht. Denn nach einem noch so sorgfältigem abwägen aller bekannten Möglichkeiten geht es selten ohne Kompromisse.

Dabei entscheiden wir uns nicht nur für das Eine sondern gleichzeitig auch gegen das Andere. Die eingegangen Kompromisse bedeuten oft persönliche Opfer. Manchmal ganz kleine und kaum wahrgenommene und manchmal richtig große und schwerwiegende.


Wer trifft die Entscheidungen?

Wir Menschen haben unterschiedliche Zugänge wie wir unsere Auswahl treffen. Die einen wägen alle Fürs und Widers sorgfältig ab und Andere lassen Ihren Bauch die Auswahl treffen. Manche holen sich unterschiedliche Meinungen ein und Manche entscheiden aufgrund einer Emotion.

Egal wie die Wahl getroffen wird, jede Entscheidung hat auch ihren Preis. Nicht immer zeigt sich sofort wie hoch dieser ist. Es kann Jahre dauern bis hin zur Erkenntnis, die damals vermeintlich günstige Lösung war langfristig doch nicht der beste Deal. Und vielleicht wird diese Wahl rückwirkend als negativ bewertet.

Warum ungünstige Entscheidungen getroffen werden

Einer der Gründe für schlechte Entscheidungen beruht auf einem Nicht-Wissen über sich selbst. Und daher mangelt es auch an Klarheit, was einem selbst wichtig ist. Vor allem dann, wenn die unterschiedlichen Optionen sehr attraktiv daher kommen. Daher läßt man sich bei seinen Entscheidungen von seinen Mitmenschen, von einem kurzfristigen Bedürfnis oder gar von seinen Ängsten leiten.

Wer sich selbst fremd ist, wird auch schwer gute Entscheidungen für sich selbst treffen können.

Und leider bewirken schlechte Entscheidungen auch Opfer die man eigentlich nicht in Kauf nehmen wollte. Dies sind zum Beispiel die eigenen Wünsche, Ziele, Bedürfnisse und Werte. Aber auch Beziehungen oder gar man selbst können auf dem Opferaltar landen.


Die Sache mit der Verhältnismäßigkeit

Es gibt Momente im Leben da fehlt uns jegliches Gefühl für die Relation. Irgendwas in uns treibt uns an und ohne auch nur einen Gedanken an die Kosten unseres Handelns zu verschwenden. Nicht immer ist das schlecht oder negativ.

Aber es gibt auch Motivationen die uns verleiten den Kosten-Nutzen Faktor komplett zu ignorieren. Und das ist dann ungünstig wenn der Nutzen extrem minimal ist. In diesem Moment sind wir jedoch überzeugt dass unser Leben soviel besser oder schöner ist wenn wir diese eine Sache haben. Manchen von uns passiert das beim Shoppen. Es kann jedoch auch bei Aktivitäten, Beziehungen oder einfach nur Aussagen passieren. Manchmal haben wir die Relation einfach nicht im Blick.

Ängste aber auch Glaubenssätze oder fehlende Klarheit der persönlichen Wertigkeiten können der Grund hierfür sein. Auch starke Emotionen oder ein Mangel an Bewusstsein über mögliche Alternativen verführen uns zu solch ungesunden Entscheidungen.

Entscheidung zwischen Pest und Cholera

Und natürlich gibt es auch Situationen da hat man nur die Wahl zwischen "Pest und Cholera". Denn keine der Möglichkeiten fühlt sich auch nur irgendwie gut an. Für jede der Optionen ist der Preis viel zu hoch. In so einem Fall ist man sich der Kosten sehr bewußt.

Spätestens wenn keine der Optionen den Preis rechtfertigt, wird einem klar, es gibt immer einen Opferaltar.

Um für sich selbst nicht nur gute sondern auch gesunde Entscheidungen zu treffen, kommt man um die Auseinandersetzung mit sich selbst nicht herum. Vor allem die eigenen Werte sind gute Ratgeber wenn es um Entscheidungen geht.

Warum unsere Werte so wichtig sind erfährst du hier.

Die eigene Entscheidungskompetenz auf dem Opferaltar

Manchen unter uns fällt es extrem schwer Entscheidungen zu treffen.

Gründe dafür können sein:

  • Die Auswahlmöglichkeiten überfordern die Person und machen Angst.

  • Es gab negative Erfahrungen mit getroffenen Entscheidungen in der Vergangenheit.

  • Die Angst vor den Folgen der Wahl ist zu groß.

  • Nachträglich könnte sich herausstellen, es war vielleicht doch die falsche Wahl.

Und so wird die Beurteilung der verschiedenen Möglichkeiten und somit dann auch Wahl einer Option wenn möglich delegiert.

Doch auch das ist eine Entscheidung, nämlich die, nicht selbst zu entscheiden. Denn irgendwann hat sich die feste Überzeugung eingenistet, die Anderen wissen eh viel besser was gut für mich ist. Jedoch die Krux dabei ist, ganz egal wer die Entscheidung getroffen hat, die Folgen können nicht ausgelagert werden.

Nur, was bedeutet das für die Person?

  1. Die eigentlich vorhandene Entscheidungskompetenz fällt der eigenen Unsicherheit und Angst zum Opfer.

  2. Dadurch wir das bereits nicht so toll vorhandene Vertrauen in sich selbst wird noch mehr geschwächt.

  3. Das Gefühl keine Ahnung zu haben was für einen selbst das Beste wird verstärkt und dementsprechend wird die Abhängigkeit von der Entscheidung Anderen immer stärker.

  4. Es entsteht ein Teufelskreis!

Und somit landet die eigene Entscheidungskompetenz immer öfters am Opferaltar.

Was kann man tun um diesen Teufelskreis zu durchbrechen?

Wichtig sind positive Erfahrungen bei Entscheidungen. Und das gelingt nur in dem man sich drüber traut und es wieder wagt sich eigenständig die Auswahl zu treffen. Also eine Schritt für Schritt heranwagen. Zuerst bei weniger relevanten Entschlüssen und mit der Zeit dürfen diese immer größer und schwerwiegender werden.

Um gelungene Entscheidungen fest im eigenen ICH zu verankern, hilft es diese zu feiern. Das stärkt wiederum das Selbstbewusstsein und die Selbstwirksamkeit.

Der Blick auf den eigenen Opferaltar

Solange es mehr oder weniger gemütlich dahin läuft, macht sich wohl kaum wer Gedanken über all die Kosten die die getroffenen Entscheidungen mit sich gebracht haben. Erst wenn uns ein Gefühl der Sinnlosigkeit, oder eines großen seelischen Schmerzes überkommt, merken wir das hier etwas ganz und gar nicht stimmt. Die Erkenntnis aus den falschen Gründen schlechte Entscheidungen für sich selbst getroffen zu haben kann sehr hart sein.

Vorsicht, denn wir Menschen tendieren dazu, in solchen Momenten, sehr hart mit uns selbst ins Gericht zu gehen. Das ist nicht hilfreich. Daher wäre es ratsam mit einem liebevollen und barmherzigen Blick in diese Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte zu gehen. Dann können wir auch aus unseren Fehlern lernen.

Hinschauen tut weh, wegschauen verlängert den Schmerz

So, und nun liegen die diversen Opfer auf dem Altar schön aufgereiht. Manche hat man bewußt oder vielleicht sogar gerne in Kauf genommen. Andere lösen eine tiefe Traurigkeit oder vielleicht sogar Wut in einem aus. Es ist nun mal keine einfache Sache sich mit dem persönlichen Opferaltar auseinanderzusetzen. Aber was ist die Alternative? Nicht hinschauen? Dann fehlt uns jedoch dass Wissen ob und was wir in unserem Leben verändern sollten. Und gleichzeitig bedeutet keine Veränderung, die erbrachten Opfer werden immer mehr und immer größer.

Wie gehe ich nun mit meinem Opferaltar um?

Wie bereits erwähnt möchte ich nochmals die starke Empfehlung abgeben eine liebevolle und barmherzige Haltung sich selbst gegenüber einzunehmen. Denn ganz egal was alles auf diesem Altar liegt, geht es am Ende darum sich selbst zu verzeihen. Weil es so wichtig ist - es geht darum sich selbst zu verzeihen! Und manchmal geht das nicht sofort oder zeitnah. Denn die Seele braucht ihre Zeit.

Der eigene Opferaltar als Chance für eine gelingende Zukunft.

So schmerzvoll und herausfordernd es vielleicht auch ist, sich mit seinem persönlichen Opferaltar auseinanderzusetzen, es zahlt sich aus. Es birgt die große Chance zur Veränderung und zur Heilung. Sich bewußt zu werden was einem persönlich wirklich wichtig ist, bringt Klarheit wie eine gelingende Zukunft aussehen kann.

Nicht die Traurigkeit, die Wut und die Enttäuschung sind das Ende, sondern die Chance es besser zu machen. Vielleicht gibt es Ziele, Wünsche, Werte oder auch Bedürfnisse die verdrängt oder aufgegeben wurden. Befähigen wir uns selbst unser Leben zu leben wie es zu uns passt.

Wer jetzt noch Lust hat sich etwas genauer mit dem Opferaltar von Entscheidungen zu beschäftigen, dem empfehle ich dieses Buch von Bronnie Ware.

5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen


Ein Buch, dass vielleicht deine Entscheidungen nachhaltig verändern wird.


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